Wie gehen Zugvögel mit Windenergieanlagen um? Diese Frage wurde auf dem Gotthard untersucht. Während insgesamt 36 Monaten wurde der Vogelzug rund um die fünf Windenergieanlagen auf dem Gotthard beobachtet. Laut der wissenschaftlichen Studie ist nun klar: In diseem Zeitraum überquerten 1,7 Millionen Zugvögel den Windpark. 99,99 Prozent davon liessen sich von den Windrädern nicht beeinträchtigen.
Auf dem Gotthard produzieren seit 2020 fünf Windräder Strom. Die Produktion deckt den privaten Stromverbrauch von über 10’000 Menschen. Im Auftrag des Kantons Tessin hat die regionale Energieversorgerin AET, die Betreiberin des Parks, das Tessiner Studio Alpino mit einer Vogelstudie beauftragt. Ziel war, die Wirksamkeit des Vogelradars zu überprüfen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Journal of Environmental Management veröffentlicht, wie Suisse Eole im aktuellen Newsletter schreibt.
Von August 2021 bis Juni 2024 wurde jeweils während der beiden Vogelzugperioden zwischen März und Juni sowie zwischen August und November das Terrain abgesucht, teils auch mit Suchhunden. «Die Studie zeigt, dass insgesamt lediglich 107 Vögel zu Schaden gekommen sind», stellt Lionel Perret, Geschäftsführer von Suisse Eole, fest, «damit wurden 99.99 Prozent der 1’700’000 Vögel, die das Radarsystem erfasst hat, von den Windrädern nicht behindert. Lediglich 0.01 Prozent wurden getötet.»
«Die 107 Vögel, die auf dem Gotthard tatsächlich tot aufgefunden wurden, entsprechen in etwa dem Speisezettel einer Katze in demselben Zeitraum!» rechnet Lionel Perret vor. Die Studie reiht sich ein in eine Reihe von Studien, die zu dem gleichen Ergebnis kommen: Vergangenen Herbst hat Romande Energie gemeinsam mit dem Kanton Waadt für den Windpark Ste-Croix bekannt gegeben, dass auch dort die Beeinträchtigung für die Vögel sehr gering ist: Pro Windkraftanlage kamen 2024 etwa 3 bis 5 Individuen zu Schaden.
Auch eine im Herbst 2025 veröffentliche deutsche Studie gibt Entwarnung: Sie belegt, dass Zugvögel Windenergieanlagen fast vollständig meiden und das Kollisionsrisiko deutlich geringer ist als bisher angenommen. Mit über 99,8 Prozent der tag- und nachtziehenden Vögel mied ein deutlich grösserer Anteil die Anlagen als bislang angenommen

